• Im Jagdfieber – Der Jagdinstinkt bei Hunden

    M. Großmann / pixelio.de

    Jagen: Ursachen, Forschung, Lösung

    Du stehst im Wald, mit deiner Leine in der Hand und wartest darauf, dass dein jagender Hund endlich zurückkommt. Ja, oder schlimmer noch, dein Hund darf gar nicht mehr ohne Leine laufen, weil er eventuell nicht mehr zu bändigen ist. Manche Hundetrainer würden jetzt sagen: “Das ist ein Problem mit dem Rückruf und dem Gehorsam!“ Das könnte auch kurzfristig helfen, doch das Problem liegt oft in dem Urinstinkt vieler Hunde: „Dem Jagen!“.

    Um eine Antwort auf das Problem zu finden, müssen wir uns eine ganz andere Frage stellen als: Wie verhindere ich, dass mein Hund Jagd? Oder: Warum Jagd mein Hund?

    Die wichtigste Frage lautet:

    Was hat mein Hund vom Jagen?

    Jagen: Die Ursachen

    Man muss, wie ein guter Detektiv, nach der Motivation des Hundes forschen. Die Motivationen können sehr vielseitig sein, denn gejagt werden nicht nur Tiere. Das Jagen kann auch noch angstmotiviert sein, wenn es zum Beispiel um Jogger oder Fahrradfahrer geht. Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die man erstmal herausfinden muss, um den Nagel auf den Kopf zu treffen. Nur wenn wir wissen, welche Motivation mein Hund bei der Jagd verfolgt, kann eine effektive Lösung gefunden werden.

    Jagen: Angstmotiviertes Jagen

    Hunde, die schlechte Erfahrungen mit Menschen, Gegenständen, wie Fahrrädern oder Autos gemacht haben, beginnen häufig damit, ihr Jagdverhalten auf diese Begebenheiten anzuwenden. Auch eine schlechte Sozialisierung kann ein Auslöser für dieses Verhalten sein. Ein Hund wird nicht grundsätzlich einen Fahrradfahrer oder Jogger beißen. Oft kann beobachtet werden, wenn ein Fahrradfahrer oder Jogger einfach stehen bleibt, flüchtet der Hund. Der Hund hat einfach gelernt, dass er diese Situationen mit dem Jagen lösen kann. Ein Auto, Fahrrad oder auch ein Jogger bewegen sich immer fort, sind für den Hund damit auf der Flucht. Ein riesiger Erfolg für den Hund, denn er ist erfolgreich. Nach seiner eigenen Wahrnehmung verjagt er die Personen und Gengenstände.

    Angstmotiviertes Jagen hat nichts mit dem typischen Jagdinstinkt vieler Hunde zu tun. Genau aus diesem Grunde ist die Lösung des Problems darin zu suchen, die Angst in diesen Situationen im Keim zu ersticken. Positive Verstärkung ist gefragt und wir müssen dem Hund unter kontrollierten Bedingungen beibringen, dass es keinen Grund gibt Angst zu haben. Der Hund muss also mit den Gegenständen oder Personen konfrontiert werden, nur so können wir das trainieren. Am besten mit Freunden, die keine Angst vor dem Hund zeigen und ihm durch positive Signale zeigen, Angst ist unnötig, denn es herrscht keine Gefahr.

    Instinktives Jagen

    Viele Hunderassen haben einen mal mehr, mal weniger ausgeprägten Jagdinstinkt. Dieser Jagdinstinkt schlummert tief im inneren eines Hundes und ist häufig sehr schwer zu kontrollieren. Mit dem Jagen befriedigen Hunde ihre innersten Bedürfnisse. Jagen schüttet Endorphine aus und befriedigt das Grundbedürfnis, es macht den Hund glücklich. Wer schon mal in die Augen eines nach der Jagd ankommenden Hundes geschaut hat, wird dieses Glücksgefühl in seinen Augen sehen.

    Sven Bluhm / Hunde-Web.com
    Sven Bluhm / Hunde-Web.com

    Aber auch hier muss man unterscheiden:

    • Jagd der Hund ohne jegliches Ziel und nicht wegen der Beute, sondern nur aufgrund der Bewegung und der Befriedung des Jagdinstinktes?
    • Will der Hund seine Beute nur hetzen?
    • Handelt es sich um systematisches Jagen mit dem Zweck. eine Beute aufzuspüren?

    Für einen Hund ist bei der Jagd nicht das oberste Ziel, zwingend die Beute zu erwischen. Es geht um Stimulation, für Hunde ist die Jagd an sich schon ein Erfolgserlebnis. Je mehr Jagdausflüge ihr eurem Hund im Laufe der Zeit durchgehen lasst, desto mehr wird er sich dieses Verhalten angewöhnen. Für uns normale Hundebesitzer ist dieses Verhalten ärgerlich, denn es wirft kein gutes Licht auf uns, da wir jegliche Kontrolle über unseren Hund verlieren. Gerade in Wäldern ist es gar nicht gern gesehen, wenn Hunde einfach wildern gehen. Ein Hund hat in Wäldern nichts außerhalb der gekennzeichneten Wege verloren. Man sollte bestrebt sein seinem Hund alternativen zu bieten um ihm dieses Verhalten abzugewöhnen.

    Bei der Jagd: Beziehung zum Hundebesitzer

    Welche Beziehung hat ein Hund zu seinem Besitzer? Stehe er wirklich an der Spitze des Rudels? Stimmt die Beziehung zu deinem Hund, solltest du ihm beibringen, dich durch sein Verhalten um Erlaubnis zu bitten, ob er Überhaupt jagen darf. Ein Hund wägt immer ab, was ihm wichtiger ist, das Jagen oder auf den Rudelführer zu hören.

    Trotzdem muss auch der Rudelführer seinem Hund Alternativen bieten, diesen Instinkt zu befriedigen. Hat dein Hund einen großen natürlichen Jagdtrieb, werden wir ihm diesen nie abgewöhnen können, das wollen und können wir auch gar nicht. Der Grundstein muss sein, dass der Hund Gehorsam zeigt und uns folgt.

    Stichwort: Kontrolliertes Jagen

    Kontrolliertes Jagen kann auf verschiedenste Arten und Weisen simuliert werden. Hierbei ist es wichtig zu wissen, welche Art des Jagens eurer Hund durchführt. Geht es nur um das Laufen bzw. die Bewegung, oder ist es das Aufspüren und Erlangen der Beute, aber auch das Hetzen der Beute kann die einzige Motivation sein.

    Ist das Bewegen die Motivation, kann es schon reichen mit seinem Hund Fahrrad zu fahren oder mit einem Kong oder Ball zu spielen. Deinem Hund fehlt hier die körperliche Auslastung, die wir dadurch erreichen.

    Für das Hetzen kann man wunderbar eine Reizangel einsetzen. An einem Stab ist an einer Schnur eine Beutealternative befestigt. Wenn wir diese nun im Kreis drehen, wird der Hund hinterher hetzen um die Beute zu erlangen. Macht es dem Hund nicht zu einfach, Richtungswechseln sollten in regelmäßigen Abständen erfolgen. Der Hund sollte natürlich auch Erfolgserlebnisse haben und er sollte die Beute nach gewisser Zeit auch erwischen können.

    Sven Bluhm / Hunde-Web.com
    Sven Bluhm / Hunde-Web.com

    Einer Fährte folgen um die Beute zu bekommen ist große Kopfarbeit für den Hund. Hier geht es nicht grundsätzlich um das Hetzen und die Bewegung, sondern um die Kopfarbeit, eine Herausforderung für den Hund. Es gibt im Fachhandel Duftstoffe, die von Wildtieren stammen. Diese können wir wunderbar einsetzen, um dem Hund eine natürliche Jagd zu präparieren. Man legt eine Fährte zur Beute mit den Duftstoffen und lässt seinem Hund dieser folgen. Der Erfolg besteht darin, eine Belohnung zu finden und am besten ist dies ein Arpportel aus Fell oder eine nachempfundene Ente etc.. Dein Hund soll dir die Beute bringen und du belohnst ihn für die erfolgreiche Jagd.

    Wir bieten dem Hund immer wieder Alternativen an, damit er auch wirklich ausgelastet ist. Jagdverhalten gehört zum Wesen eines jeden Hundes und wir müssen dieses Verhalten akzeptieren und nach Lösungen suchen, damit er seinem Trieb folgen kann. Viele Trainingsansätze kosten viel Zeit und wir müssen Geduld aufbringen bis die ganze Mühe Früchte trägt. Hunde, bei denen das unkontrollierte Jagen schon über einen längeren Zeitraum erfolgt benötigen Zeit, um das Verhalten abzulegen. Rückschläge wird es auch immer wieder geben, aber bleibt am Ball, beschäftigt euren Hund immer wieder. Für die meisten Hunde reichen stumpfe, langweilige Spaziergänge einfach nicht, damit sie ausgelastet sind. Viele Verhaltensprobleme sind auf mangelnde Beschäftigung und

    Bewegung zurückzuführen. Hunde wollen mit ihren Menschen arbeiten und wir sind dazu verpflichtet, dies auch ausreichend anzubieten.

    von Sven

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